Auch Sie haben sie schon wahrgenommen, vielleicht bewusst, vielleicht auch nur aus dem Augenwinkel. Bei jeder Veranstaltung, sei es ein Konzert, der Bremer Freimarkt oder das 6-Tage-Rennen. Sie sind überall. Wachpersonen. Meistens zu zweit oder zu dritt patrouillieren sie durch die Gänge und sorgen für Sicherheit.
Diese Security-Personen benötigen eine Qualifikation: Entweder sie haben an einer Unterrichtung teilgenommen, wobei es sich um eine gesetzlich vorgeschriebene Schulung von mindestens 40 Stunden handelt – durchgeführt von der Industrie- und Handelskammer. Sie bereitet die Personen auf einfache Bewachungsaufgaben vor. Oder die Wachpersonen haben eine Sachkundeprüfung absolviert: Diese anspruchsvollere Qualifikation beinhaltet eine schriftliche und mündliche Prüfung, ebenfalls durchgeführt von der Industrie- und Handelskammer, und bereitet auf sicherheitsrelevante Tätigkeiten mit höherem Verantwortungsbereich vor. Sofern eine Qualifikation vorliegt, muss eine Zuverlässigkeitsüberprüfung der jeweiligen Wachperson nach der Gewerbeordnung durchgeführt werden und hier kommt Sarah Roba ins Spiel. Erlaubnisanträge nach §34a Gewerbeordnung (GewO) für den Betrieb des Bewachungsgewerbes sowie die Zuverlässigkeitsprüfung der einzelnen Wachpersonen landen u.a. bei ihr, sodass sie Führungszeugnisse anfordern und mit der Staatsanwaltschaft, dem Landeskriminalamt und ggf. der Polizei zusammenarbeiten muss, um eine Entscheidung zu treffen. Die Tragweite dieser Entscheidungsmacht ist ihr durchaus bewusst: Die Security-Firmen brauchen Personal und hinter jeder nicht erteilten Zuverlässigkeit steht ein Mensch, dem die Möglichkeit einer Berufsausübung genommen wird. „Da braucht man schon ein gewisses Feingefühl. Manche kommen im Laufe des Lebens mit dem Gesetz in Berührung, ich muss aber in den meisten Fällen die Gesamtschau einer Person betrachten, um zu einer Einschätzung zu kommen“, erklärt die Querflötenspielerin. In der Regel dauert so ein Vorgang ein paar Wochen, je nachdem wann das Führungszeugnis und die Rückmeldung der zuständigen Stellen vorliegen. Dann kostet die Überprüfung 93 Euro und wird den Security-Firmen in Rechnung gestellt. In Ausnahmefällen zieht sich so eine Genehmigung aber auch über Monate, dann kann es auch schon einmal teurer werden.
Nachberichte geben einen Überblick, ob das Wachpersonal sich doch noch einmal etwas zu Schulden kommen lassen hat, dann muss Sarah Roba noch einmal in die Prüfung gehen.
Alle 5 Jahre wird die Zuverlässigkeit der Wachpersonen ohnehin überprüft. Zusätzlich geht die junge Verwaltungsfachangestellte mit Kolleg:innen auch auf Veranstaltungen wie die Osterwiese oder den Weihnachtsmarkt, um das Security-Personal zu überprüfen. Sind die Wachpersonen im sogenannten Bewacherregister hinterlegt und liegt auch die richtige Qualifikation vor? „Die Außendienste machen mir echt am meisten Spaß, das ist aber ganz unterschiedlich je nach Veranstaltung. Nur die Auswertung im Nachhinein zu verschriftlichen, naja, die mache ich nicht immer sofort“, lacht die Lilienthalerin.
Neben der Prüfung des Sicherheitspersonals, welches schon ziemlich männlich geprägt ist, findet Sarah Roba einen Ausgleich bei den Anmeldungen nach dem Prostituiertenschutzgesetz. Die (hauptsächlich) Frauen müssen u.a. bei ihr persönlich vorstellig werden und sich anmelden, eine gesundheitliche Beratung durch das Gesundheitsamt nachweisen und anschließend die Anmeldebescheinigung in Empfang nehmen. Liebe Leserschaft, Sie merken, hier wird es nicht langweilig.
Neben den Märkten und Konzerten, die sie beruflich begleitet, findet der Fußballfan auch in der Freizeit ihren Ausgleich bei Großveranstaltungen: Eigentlich jedes Heimspiel und fast jedes Auswärtsspiel ist Sarah Roba unterwegs und unterstützt „ihren“ Verein, Werder Bremen.
Fotos: Michael Schnelle, Fotoarchiv SKB-Bremen