Im Hafenbetriebsbüro der Port Authority Bremen brennt rund um die Uhr Licht. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr – hier wird im Dreischichtsystem gearbeitet, damit der Hafenbetrieb niemals ins Stocken gerät.Früh-, Spät- und Nachtschichten wechseln sich ab und wer hier arbeitet, weiß: Jeder Tag – und jede Nacht – bringt neue Herausforderungen. Nils Rödel ist Hafenmeister, Björn Greifenberger arbeitet als nautischer Sachbearbeiter im Hafenbetriebsbüro – und zusammen geben sie uns einen Einblick in den Amtsalltag.
Björn Greifenberger arbeitet mit einem weiteren nautischen Sachbearbeiter im Zweierteam im Hafenbetriebsbüro: Einer plant in großen Tabellen, der andere telefoniert mit Lotsen, Schleppern, Agenten – und das bedeutet weit mehr als nur Anrufe entgegenzunehmen. Es klingelt am laufenden Band, denn es geht um allgemeine Anfragen zum Hafenbetrieb, aber auch um die Koordination einlaufender Schiffe, die von Seelotsen angemeldet werden.
Dank der großen Monitore im Hafenbetriebsbüro hat Björn Greifenberger den gesamten Hafen im Blick. Besonders wichtig: die Schleusen. Denn das Team des Hafenbetriebsbüros koordiniert das komplette Schleusenprogramm, auch nachts. Viele Terminals lassen ihre Schiffe nämlich nachts auslaufen, damit am Morgen wieder Liegeplätze frei sind. „Wann wird welcher Liegeplatz frei? Wann kann das nächste Schiff rein? Das zu planen, liegt komplett bei uns“, berichtet Greifenberger.
Terminals und Agenten wollen jederzeit wissen, wann sie mit ihren Schiffen rechnen können. Lieferketten hängen davon ab, wirtschaftliche Interessen, Zeitdruck. Für Greifenberger und seinen Kollegen und Hafenmeister Nils Rödel bedeutet das: Ruhe bewahren, auch wenn es hektisch wird.
Im Büro hängt eine riesige Wandtafel – handbeschrieben, Schicht für Schicht aktualisiert. Darauf zu sehen ist eine Karte des gesamten Hafengebiets. Jede Liegeposition wird per Hand eingetragen. Altmodisch? Vielleicht. Aber wenn der Strom ausfällt, ist diese Tafel Gold wert. Ein Blick auf die Tafel reicht dem Team: Wie lang ist ein Schiff? Wie viel Abstand braucht es zum nächsten? Wie lange bleibt es im Hafen? Die Terminalpläne liefern die Antworten – und manchmal wird es eng. Dann liegen Schiffe in mehreren Ebenen nebeneinander. „Das ist fast wie Tetris“, erklärt Greifenberger. „Es muss exakt passen.“ Einmal täglich erstellt das Team die Ablauf- und Liegepläne für Schleusen und Kajen. Danach beginnt die Verkehrsplanung von vorn.
Nicht jedes Schiff ist gleich. Manche sind echte Kolosse, etwa sogenannte Triple-E-Klassen mit 400 Metern Länge. Die können zum Beispiel nur bei auflaufendem Wasser in den Hafen einlaufen, also wenn die Flut kommt. Damit alles glatt läuft, braucht es Schlepper, Hafenlotsen, Seelotsen und „nur wenn alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, läuft es rund“, macht Rödel klar.
Nils Rödel arbeitet seit 2012 im Hafenbetriebsbüro. Nach seinem Nautikstudium in Elsfleth startete er als nautischer Sachbearbeiter, heute ist er Hafenmeister mit Personalverantwortung. Sein Kollege Björn Greifenberger ist seit 2023 dabei. Auch er hat Nautik studiert – in Bremen – und viele Jahre in der internationalen Handelsschifffahrt verbracht. Beide haben Seefahrt im Blut. Beide kennen das Leben an Bord. Und beide lieben die Dynamik des Hafens. Nils Rödel erinnert sich: „Ich dachte früher, ein Job im Amt sei staubige Büroarbeit. Aber hier hat man täglich mit Schiffen zu tun. Das ist unfassbar abwechslungsreich.“ Björn Greifenberger ergänzt: „Ich bin absoluter Überzeugungstäter und muss eine Lanze für das Amt brechen, denn langweilig wird’s hier nie.“
Der Arbeitsrhythmus von Rödel und Greifenberger ist klar strukturiert: zweimal Frühschicht, zweimal Spätschicht, zweimal Nachtschicht, vier Tage frei. Die freien Tage heißen hier „Freitörn“. „Ein Tag voller Action bedeutet übrigens nicht unbedingt, dass wir viele Schiffe abfertigen“, sagt Greifenberger. „Manchmal reichen zwei oder drei sehr große Schiffe, um alles komplex zu machen.“ Rödel beschreibt es so: „90 Prozent unserer Arbeit sind Vorplanung.“ Bevor ein Schiff überhaupt das Revier erreicht, muss alles stehen: Lotsen, Liegeplatz, Schlepper, Auslaufplanung. Und dann ist da noch das Wetter: Nebel, Wind, Strömung – alles Faktoren, die den Hafenbetrieb beeinflussen. „Man hat ständig mehrere Bälle in der Luft“, sagt Rödel. All das mit einem Team aus 11 nautischen Sachbearbeitern und 6 Hafenmeistern.
In Bremerhaven gibt es regelmäßig große Schiffe, die die Augen im Hafenbetriebsbüro größer werden lassen. Ein Highlight zum Jahresende 2025 war das Event-Schiff „Disney Adventure“. Für solche Giganten braucht es eine Dockschleusung – beide Schleusen offen, der Wasserstand im Hafen muss exakt dem der Weser entsprechen. Ein enges Zeitfenster, viel Rechenarbeit, höchste Konzentration. „So was ist für den ganzen Hafen aufregend“, erzählt Greifenberger.
Aber auch Notfälle gehören dazu: Feuer an Bord, Schiffe, die durch Wind abtreiben, Maschinenausfälle („Blackouts“). Dann heißt es: schnell reagieren, Schlepper koordinieren, Ersatzliegeplätze finden. Kollisionen und Blechschäden passieren, enden aber meist glimpflich. Klar ist aber: Jeder Vorfall verlangt schnelle Entscheidungen. Wichtige Eigenschaften für die Arbeit im Hafenbetriebsbüro sind deshalb neben fließendem Englisch Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit, Stressresistenz, Entscheidungsfreude und vor allem Leidenschaft für Schifffahrt und Logistik. Von KI ersetzt zu werden, fürchten die beiden nicht. „Unsere Arbeit basiert auf nischigem Erfahrungswissen“, sagt Rödel. „Jedes Problem ist ein Einzelfall.“
Im Hafenbetriebsbüro trifft maritime Tradition auf moderne Logistik. Wer hier arbeitet, hält den Puls des Hafens am Laufen – Tag und Nacht. Und eines ist sicher: Langweilig wird es hier nie.
Fotos: Michael Schnelle, Fotoarchiv SKB-Bremen