Sie sind hier:

Die politische Weltkarte steht im Wandel – Städtepartnerschaften als Konstante

50 Jahre Städtepartnerschaft mit Danzig: Für unsere Protagonist:innen Randy Haubner und Andreas Weippert ein Brückenbau von der Vergangenheit in die Gegenwart

Randy Haubner (rechts) und Andreas Weippert (links) halten ein Plakat mit der deutsch-polnischen Aufschrift Moin Gdansk, Czesc Bremen hoch.

Dalian, Danzig, Durban, Haifa, Izmir, Odesa, Riga, Windhoek – hätten Sie es gewusst, liebe Leser:innen? Ja genau, das sind die Partnerschaften mit Städten und Regionen der Freien Hansestadt Bremen. Also noch einmal: Dalian (China), Danzig (Polen), Durban (Südafrika), Haifa (Israel), Izmir (Türkei), Odesa (Ukraine), Riga (Hauptstadt von Lettland) und Windhoek (Hauptstadt von Namibia) – zu diesen Städten pflegt die Freie Hansestadt Bremen eine besonders enge Verbindung. Dieses Jahr jährt sich die älteste Partnerschaft zum 50. Mal, nämlich mit der Stadt Danzig in Polen. Ein Grund zur Freude, aber nur einer von vielen für die Mit-Verantwortlichen Randy Haubner und Andreas Weippert. Mit ihren derzeit zehn Kolleg:innen im Referat 52 der Senatskanzlei sowie Werkstudierenden, Praktikant:innen und einer europäischen Freiwilligendienstleistenden sind sie für Bremens Aktivitäten in den Städtepartnerschaften, internationalen Netzwerken, der Entwicklungszusammenarbeit und Nachhaltigkeit zuständig. Und es gibt tagtäglich viel zu tun.

Über die Jahre haben sich Strukturen zwischen den Städten gebildet, auf die aufgebaut werden kann. Aber auch neue, internationale Netzwerke zu Institutionen, Regionen bis hin zur Partnerschaft mit dem Land Namibia gehören zum Tätigkeitsfeld des Referats. Diese entwickeln sich und werden oftmals auch unter neuen Gesichtspunkten (beispielsweise nach einer politischen Veränderung) weitergeführt. Unsere heutigen Gastgeber:innen behalten hier den Überblick und sorgen mit ihren Aufgaben für die gute Zusammenarbeit im Rahmen der Städtepartnerschaften. Sie stehen im ständigen Austausch mit verschiedensten Bereichen, bündeln Aktivitäten, koordinieren und organisieren Projekte. Von Fachbesuchen vor Ort in den jeweiligen Partnerstädten, der Empfang hier in der Hansestadt oder Konzerte, Theaterstücke etc. „Kein Tag ist wie der andere“, fassen Haubner und Weippert, der seit 1994 im bremischen öffentlichen Dienst tätig ist, zusammen. „Wir koordinieren, vernetzen und tauschen uns aus“, ergänzt Randy Haubner. Die Diplom-Geografin ist per Zufall in Bremen gelandet und kommt gebürtig aus Ludwigshafen.

Randy Haubner gestikuliert, sie trägt schulterlange braune Haare, eine blaue Strickjacke und einen Schal um den Hals

Bei den bisherigen acht Partnerschaften wird es nicht bleiben, Gespräche über eine neunte werden bereits geführt. Einst entwickelten sich solche Verbindungen vor allem aus der Motivation der Wiedergutmachung und Aussöhnung. Nach und nach entwickelte sich eine Motivation aus entwicklungs- und innenpolitischer Solidarität sowie wirtschaftlichen Aspekten. Neben der Arbeitsebene leben die Städtepartnerschaften aber vor allem von der Beteiligung und dem Engagement verschiedenster Akteur:innen auch und vor allem aus der Zivilgesellschaft. Vereine, Musik- oder Theatergruppen leisten daher ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung.
Städtepartnerschaften sind ein zentrales Instrument der Urban Diplomacy (Städte-Diplomatie als Ergänzung der Beziehungen zwischen Staaten und Regierungen), weil sie internationale Verbindungen auf lokaler Ebene gestalten – pragmatisch, themenorientiert und bürger:innennah. Solche Beziehungen schaffen persönliche Kontakte, interkulturelles Verständnis, eine Vertrauensbasis der Zusammenarbeit und des Miteinanders und somit langfristige Kooperationen. So ermöglichen bestehende Partnerschaften in Krisenzeiten schnelle Unterstützung und gemeinsame Solidaritätsaktionen, wie z.B. in jüngster Zeit mit Odesa, Haifa und Izmir.
Haubner und Weippert als Teil des Referats-Teams behalten hier den Überblick und einen klaren Kopf: Ob sie nun als Beispiel die baltische Nacht im Rahmen der Jazzahead-Clubnight flankieren oder Delegationsbesuche begleiten. „Hier ist es einfach facettenreich, interessant und beispiellos“, schwärmt der zweifache Vater Weippert. Es sei ein großes Privileg, bei solchen Ereignissen mitwirken zu können, empfindet auch Randy Haubner.

Andreas Weippert, mit kurzen grauen Haaren, hält ein Glas Marmelade in die Luft

Organisationsgeschick, Neugier, Flexibilität und Freude an Zusammenarbeit helfen Radfahrerin Haubner bei den täglichen Aufgaben. „Kommunikationsfähigkeit und dass ich Dinge akzeptiere, die ich nicht ändern kann“, ergänzt das Werder-Mitglied Andreas Weippert. Die Tage sind manchmal herausfordernd und stressig, aber vor allem abwechslungsreich. Zum Jubiläum mit der Partnerstadt Danzig wurde in Kooperation mit dem Martinshof eine Senatsjubiläumsmarmelade kreiert: Die Marmelade soll unter anderem als Geschenk für die Danziger Gäste eingesetzt werden, die sich über die Mischung aus Sanddorn und Apfel hoffentlich freuen werden. In den Shops des Martinshofs können Interessierte seit Frühjahr 2026 die Marmelade erwerben, um auch in diesen besonderen Genuss zu kommen. Inklusion ist nicht nur im Jubiläumsjahr ein wichtiger Themenbereich, der sich durch die Städtepartnerschaften zieht.
Von ihrer Arbeitgeberin, der Freien Hansestadt Bremen, profitieren sie besonders von der Förderung der eigenen Entwicklung, der Familienfreundlichkeit und Gleichberechtigung sowie dem wertschätzenden Umgang im Team.
Ein Blick in die Zukunft zeigt immer öfter dunklere Wolken am Himmel. Die politische Weltkarte verändert sich, die letzte Partnerschaft mit Odesa entstand 2023 als Solidaritätsbekundung seit dem russischen Angriffskrieg im Februar 2022. Der Blick auf das gemeinsam gewachsene Band mit Bremens Partnerstädten, den gemeinsamen Werten und dem respektvollen Umgang, lässt Licht am Horizont durchscheinen. Mit Toleranz und Offenheit wollen sie den neuen Herausforderungen gegenüberstehen und im übertragenden Sinne Brücken schlagen.

Grafisches Element Leitstelle AGA ·