Sie sind hier:

Amtsleitung beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie – Dr. Christine Onnen öffnet die Tore

Letztes Jahr ist die Amtsleiterin des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in die Fußstapfen ihres Vorgängers Prof. Dr. Georg Skalecki getreten und kehrt so nach Jahrzehnten wieder in die Heimat zurück

Das Bild zeigt Dr. Christine Onnen, die die Interviewpartnerin anlächelt.

Die alte, wuchtige Holztür fällt hinter uns ins Schloss. Der Dielenboden knarzt bei jedem Schritt. Direkt nach dem Windfang öffnet sich auf der linken Seite eine weitere Holztür: Frau Dr. Christine Onnen begrüßt uns in ihrem altehrwürdigen, geräumigen Büro. Wir befinden uns heute im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und sind auf einen Kaffee mit der Amtsleitung verabredet.

Fachstimme in Sachen Stadtentwicklung

Dr. Christine Onnen im Interview. Sie sitzt in ihrem Büro, vor ihr eine Kaffeetasse, Brille und Schreibsachen, im Hintergrund eine Bücherwand.

Die gebürtige Delmenhorsterin studierte und promovierte in Kunstgeschichte mit dem Fokus auf Architektur. Für das Studium zog sie nach Kiel, ein Auslandssemester in Wien inbegriffen. Das ist lange her, seitdem kam sie über Hannover und Hamburg zum brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege. Im Herbst letzten Jahres zog es sie zurück in ihre Heimatregion Bremen und auf eine neue Position. Hier sei sie näher dran: In einer der kleineren Landeshauptstädte seien die Wege kurz, jede:r kenne jede:n – das sei ihr schon in den ersten Monaten aufgefallen. „Meine Erwartungen wurden wirklich übertroffen“, schwärmt die reisefreudige Amtsleiterin. Hier ist sie mit ihrem Team für den Denkmalschutz und die Denkmalpflege zuständig. Konkret möchte sie sowohl bei der Beratung von Bürger:innen sowie bei größeren Projekten der Stadtentwicklung mitwirken. Eine der größten Herausforderungen ist dabei immer, nicht als „Verhinderer“ wahrgenommen zu werden, sondern als Fachstimme Gehör zu finden und dennoch offen und realitätsnah einen Beitrag zu leisten. Vielmehr wünsche man sich ein Miteinander, um Lösungen für Bauvorhaben an Denkmälern aufzuzeigen.

Mit Besonnenheit durch den abwechslungsreichen Berufsalltag

Dr. Christine Onnen, die nach unten in die Kamera schaut.

Dr. Christine Onnen wählt ihre Worte mit Bedacht, erzählt abwägend und ruhig. Und genau das helfe ihr auch im Berufsalltag. Ruhe bewahren, nicht in blinden Aktionismus zu verfallen und sich zugleich rasch in neuen Projekten einen Überblick zu verschaffen – das seien ihre größten Stärken. Sie helfen ihr, sich in ihre neue Stelle mit ihrem komplexen Aufgabenfeld von der Leitung bis hin zu kleinen und großen Denkmalprojekten einzuarbeiten. „Früher war ich vor Terminen, auf die ich mich nicht hundertprozentig vorbereiten konnte, recht aufgeregt. Heute helfen mir meine Berufs- und Lebenserfahrung, ruhig zu bleiben und mir einfach schnell ein Bild von dem Projekt machen. Da muss ich drei Jahre Planung schnell verstehen und auch ohne große Vorbereitung auf Probleme und Fragestellungen reagieren können“, erläutert die begeisterte Fahrradfahrerin.
Beruflich ist sie zwar einerseits noch in der Einarbeitung, andererseits schon mitten im Alltag und fühlt sich insgesamt sehr wohl. „Jeder Tag ist abwechslungsreich. Es gibt immer was Neues“, lacht Dr. Christine Onnen. Und auch privat scheint sie anzukommen: Bremens Nachkriegsarchitektur, die Nähe zum Wasser und vor allem auch das maritime Flair in Bremerhaven bringen die Hobby-Köchin ins Schwärmen. Nicht alle Entwicklungen im Bau und der Mobilität in Bremen sind in ihren Augen im Rahmen des Denkmalschutzes gelungen; das sei aber auch nicht immer möglich, da oft verschiedene Interessen aufeinandertreffen. Selbst am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie fahre die Straßenbahn so eng vorbei, dass kaum ein Aktenordner dazwischen passe. Manches lasse sich aber nicht ändern oder verhindern. Dennoch ist besonders die Innenstadt für unsere heutige Gastgeberin ein Wohlfühlort. Auch die Veränderungen und Umwandlung der alten Bausubstanz zur Wiederbelebung der Einkaufsmeile tun da nicht ihren Abbruch.

Ein tolles Team brennt jeden Tag für den Erhalt des historischen Bestands Bremens

Zum Abschluss des Interviews geht Dr. Christine Onnen noch einmal kurz in sich. Wenn sie noch etwas hinzufügen dürfe, wäre es der Verweis auf ihr Team. Sie wurde herzlich aufgenommen und kann sich auf jede:n verlassen. „Denkmalschützer sind Überzeugungstäter“, fasst sie zusammen. Ob Bau- oder Bodendenkmale – sie brennen für ihr Thema, bringen eigene Ideen ein und arbeiten selbstständig und engagiert und das über einen 8-Stunden-Tag hinaus und auch mal am Wochenende. Neben der Allgemeinen Verwaltung befinden sich im Amt für Denkmalpflege und Archäologie der Bereich der Praktischen Denkmalpflege sowie die Inventarisation. Letztere ist für die Erfassung der Kulturdenkmäler und Pflege der Denkmalliste verantwortlich. Wiederum fungieren Kolleg:innen der Praktischen Denkmalpflege als fachliche Betreuer:innen und Berater:innen bei konkreten Baumaßnahmen und Restaurierungsvorhaben. Während die Bau- und Kunstdenkmalpflege für alles Oberirdische zuständig ist, kümmert sich die Archäologie um die geschichtlichen Spuren im Boden, die durch Ausgrabungen freigelegt werden, wobei einander die Arbeitsbereiche oft ergänzen. Jegliche Maßnahmen an einem Denkmal müssen genehmigt werden, daher gehören Abstimmungen und die Beratung der Eigentümer:innen selbstverständlich dazu. Ziel ist dabei immerfort die Erforschung und Bewahrung des historischen Bestands in Bremen – damit weiterhin Besucher:innen und Bewohner:innen unserer Stadt ihrem Charme verfallen.

Fotos: Michael Schnelle, Fotoarchiv SKB-Bremen

Grafisches Element Leitstelle AGA ·