Nathalie Kellmer und Tom Luca Rothe. Auf dem T-Shirt ist das Umweltbetrieb Bremen-Logo zu sehen.
Ein Vorteil unter vielen: Die Arbeitskleidung wird vom Arbeitgeber gestellt. (Fotos: Michael Schnelle, Fotoarchiv SKB-Bremen)

Vogelgezwitscher, Sonnenschein und eine grüne Umgebung. Im ersten Moment hat man nicht das Gefühl, sich auf einem Friedhof zu befinden. Wir treffen die beiden Gärtner:innen Nathalie Kellmer und Tom Luca Rothe an ihrem Arbeitsplatz, auf dem Osterholzer Friedhof. "Kreativ, abwechslungsreich, nachhaltig“ sei ihr Beruf; auf einer Parkbank sitzend, sind wir gespannt, im Gespräch mehr zu erfahren.
Tom Luca Rothe steht zum Zeitpunkt des Interviews kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung als Landschaftsgärtner, er ist sehr froh, voraussichtlich weiterhin beim Umweltbetrieb Bremen zu arbeiten und kann sich den Beruf langfristig sehr gut vorstellen. Freund:innen haben ihn damals überzeugt, für die Ausbildung aus dem Weserbergland nach Bremen zu kommen. "Mein Vorstellungsgespräch für die Ausbildung zum/zur Landschaftsgärtner:in war am Montag und ich habe direkt gesagt, wenn ich die Stelle bekomme, ziehe ich Mittwoch nach Bremen. Einen Tag später bekam ich die Zusage und dann habe ich spontan den Umzug gemacht, seitdem bin ich sehr glücklich und zufrieden hier.“
Die gelernte Floristin Nathalie Kellmer ist nach ihrer zweiten Ausbildung als Landschaftsgärtnerin im bremischen öffentlichen Dienst geblieben. Sie habe kurz überlegt, wieder in ihrem Heimatort zu arbeiten, aber Bremen sei so schön grün und die Kolleg:innen passen einfach. Nach vielen Weiterbildungen zum Beispiel dem LKW-Führerschein übernimmt sie nun vorübergehend die Stellvertretung für den Gärtnermeister vor Ort.

Eine Plakettennummer für die digitale Baumkontrolle hängt an einem Baumstamm.
Die Plakettennummer für die digitale Baumkontrolle befindet sich meist in einer Höhe von 2 oder 3 m am Stamm. In Bremen sind es diese kleinen schwarzen Plaketten, mit deren Nummern die Bäume im Baumkataster hinterlegt sind. (Foto: Nathalie Kellmer, Umweltbetrieb Bremen)

Nathalie Kellmer: Da gibt es eine ganz breite Palette: Ein großer Teil unserer Arbeit ist es zu pflastern, viel im Grünen zu machen, Sträucher, Bäume und Hecken zu schneiden, im Winter fällen wir auch Bäume, wenn sie ihre Stand- und Bruchsicherheit verlieren. Wir führen Mäharbeiten durch und arbeiten mit Maschinen wie Treckern oder Baggern. Dafür benötigt man den entsprechenden Führerschein. Es ist sehr wichtig, sich weiterzubilden, das wird hier auch gefördert, zum Beispiel in Richtung digitale Baumkontrolle.
Tom Luca Rothe: Diese digitale Baumkontrolle kennenzulernen, fand ich am Anfang besonders faszinierend: Jeder einzelne Baum, der in unseren Anlagen in Bremen steht, hat eine Nummer und ist digital dokumentiert. Dieser Nummer zugeordnet sind zum Beispiel das Pflanzungsdatum, die bisherigen Maßnahmen und Kontrollen. Jeder einzelne Baum wird regelmäßig kontrolliert. Unsere Baumkontrolleur:innen schauen und vermerken im entsprechenden Programm auf dem Tablet, in welchem Zustand er ist, ob was gemacht werden muss, ob eine weiterführende Untersuchung notwendig ist.

Nathalie Kellmer: Das Arbeiten mit den Pflanzen, Blühendes, Buntes, das ist genau meins. Genauso wie mit den Bäumen zu arbeiten. Daraus hat sich auch mein Hobby entwickelt: Möbel wie ein Weinregal oder einen Couchtisch aus selbst gefälltem und getrocknetem Holz herzustellen. Und ich bin sehr stolz darauf, was ich schon erreicht habe. Dass ich in diesem (hauptsächlichen) Männerberuf arbeite, so viele Lehrgänge geschafft habe, zum Beispiel den LKW-Führerschein machen durfte und Bagger fahren kann. Im öffentlichen Dienst ist es möglich, als Gärtner:in auch mal im Sommer Urlaub zu machen, wir haben auch im Winter einen Arbeitsplatz. Und ich finde es toll, dass ich die Chance habe, den Meister zu vertreten. Wenn man sich engagiert und zuverlässig ist, wird einem viel zugetraut, man wird ernst genommen, einbezogen und ist mit dabei.
Tom Luca Rothe: Als Azubi erfahre ich eine hohe Wertschätzung, bekomme interessante Tätigkeiten und auch Verantwortung übertragen. Das ist ein gutes Gefühl. Na klar, einige Ecken und Kanten gibt es immer, aber aus den drei Jahren Ausbildung kann ich einiges mitnehmen. Wichtig ist hier vor allem eine gute Kommunikationsfähigkeit, man arbeitet immer mit anderen zusammen, stimmt sich ab und stellt sich aufeinander ein. Auch in das Fachwissen, zum Beispiel die botanischen Namen der Pflanzen [Der "botanische“ Name ermöglicht die eindeutige Zuordnung von Pflanzen. Meist werden lateinische, aber auch griechische Begriffe verwendet; Anm. d. Redaktion], habe ich mich gut eingearbeitet. Wir haben hier ein gutes Kollegium und können uns aufeinander verlassen. Ich freue mich jeden Tag herzukommen, auf die Kolleg:innen, die Zusammenarbeit im Freien, es macht einfach Spaß, sodass ich sehr gerne in diesem Beruf bleiben möchte. Ich könnte mir gut vorstellen, mich in Richtung Baumpflege weiterzubilden.

Nathalie Kellmer: Der Job wird digitalisierter werden und mehr Technik beinhalten. Schon jetzt gibt es die digitale Baumkontrolle. Auch die Arbeit mit Maschinen wird mehr werden. Das trägt zu einer körperlichen Entlastung bei, denn eine der größten Herausforderungen ist es, körperlich fit zu bleiben.
Tom Luca Rothe: Es wird mehr akku- anstatt verbrennerbetriebene Geräte geben. Wir haben zum Beispiel eine akkubetriebene Heckenschere, sie macht nicht so viel Lärm und verursacht keine Abgase. Zukünftig wird sich die Akkutechnik auch verbessern. Unseren Beruf wird es weiterhin geben, der Umweltgedanke kommt immer mehr und wir tun Gutes für die Umwelt, indem wir sie erhalten und pflegen, sodass wir auch in Zukunft alle Hände voll zu tun haben werden. Mit unserem Interview möchten wir gerne einen Einblick geben und zeigen, dass Landschaftsgärtner:in ein cooler Beruf ist.

Vielen Dank, Nathalie Kellmer und Tom Luca Rothe!