Haben Sie sich schon mal mehr Gedanken über einen Tunnel gemacht als ihn einfach als Verkehrsweg zu nutzen?
Die Beleuchtung passt sich an die Wetterverhältnisse an, damit die Autofahrer:innen beim Herausfahren nicht geblendet werden. Die Notfalldurchsage hat einen bestimmenden, aber nicht einschüchternden Ton, damit sie keine Schockstarre, sondern eine schnelle Reaktion auslöst. Notfalltelefone sind in Schranksystemen und nicht in Kabinen, sodass man im Notfall nicht in der vermeintlichen Sicherheit einer Kabine erstickt.
Stefan Last erklärt uns im Interview die Komplexität von Tunneln. Seine Arbeit als Ingenieur beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV) hat zwei Schwerpunkte: Das Tunnelmanagement und eine der Abteilungsleitung zugeordnete Stabstellenfunktion.

Stefan Last sitzt an einem Arbeitsplatz. In der Hand hält er eine Tasse mit Wir für Bremen- Logo.
Stefan Last an einem Arbeitsplatz im Betriebsgebäude des Hemelinger Tunnels. In den Schaltschränken um den Arbeitsplatz herum ist ein Teil der "Tunneltechnik“ untergebracht (es gibt weitere Räume mit Schaltschränken). Foto: Rebecca Miller, Fotoarchiv SKB-Bremen

"Als Tunnelmanager sorge ich dafür, dass der Hemelinger Straßentunnel für den Straßenverkehr stets zur Verfügung steht. Es steckt sehr viel Technik hinter den 600 Metern: Allein die Steuerung der Beleuchtung, die Stromversorgung, die Informations- und Kommunikationstechnik oder Sicherheitseinrichtungen wie etwa Notfalltelefone müssen regelmäßig geprüft werden. Dafür organisiere ich zum Beispiel Wartungstermine.
In meiner Funktion als Stabstelle für die Abteilungsleitung verhandle ich zum Beispiel mit Baufirmen, bereite Vereinbarungen vor und übernehme Projekte: Durch eine pfiffige Überlegung habe ich mal einen Brückenneubau überflüssig gemacht und für Bremen über 100.000 Euro eingespart, das macht mich sehr stolz.
Meine Tätigkeit ist insgesamt sehr kommunikativ: Ich habe mit Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr zu tun; agiere mit Baufirmen, mit Industrieunternehmen und stehe natürlich auch mit Kolleg:innen (auch) anderer Ressorts wie z. B. dem Innenressort, der Innenrevision, dem Landesrechnungshof und Bürger:innen in Kontakt. Wenn beispielsweise Bau- oder Wartungsarbeiten am Hemelinger Tunnel anstehen und er deshalb gesperrt wird, dann müssen Anlieger wie das Bremer Mercedeswerk vorab informiert werden.
In beiden Funktionen hilft mir meine Berufserfahrung sehr, besonders in der Kommunikation mit den verschiedenen Stakeholdern: Nach dem Studium als Diplom-Vermessungsingenieur habe ich acht Jahre auf Großbaustellen in der Wirtschaft gearbeitet. So hat sich meine Affinität zum Bauvertragsrecht und zum Nachtragsmanagement (Abhandlung außervertraglicher Bauleistungen, Anmerkung der Redaktion) entwickelt. Daraufhin wurde ich eine Art Schnittstelle zwischen Bauleitung/Baubetrieb und den Kaufleuten des Unternehmens. Anschließend startete ich vor zwölf Jahren in den öffentlichen Dienst, zunächst zum Landesrechnungshof als Prüfer für Tiefbaumaßnahmen und wechselte dann ins Amt für Straßen und Verkehr.“

"Mir macht es am meisten Spaß, mit guter, konstruktiver Kommunikation gute Lösungen zu finden und so dabei zu helfen, Bremen vielleicht ein Stückchen besser zu machen. Ich bin stolz, dass mir mein Arbeitgeber so viel Vertrauen entgegenbringt, er vertraut zum Beispiel darauf, dass der Hemelinger Straßentunnel für den Straßenverkehr stets zur Verfügung steht. Besonders freue ich mich über positives Feedback von Bürger:innen. Der Job ist außerdem sehr work-life-balance-tauglich und mit der Freizeit gut zu vereinbaren. – Jobs in Bauunternehmen in der Bauleitung sind im Vergleich oft dauerhaft mit sehr vielen Überstunden verbunden. Und Bremen als Arbeitsort ist für mich durch die Nähe zu meinem Wohnort im Landkreis Diepholz so oder so attraktiv.“

"Die Arbeit selbst macht mir immer noch Spaß. Gerne denke ich Prozesse oder Abläufe mal neu, es ist allerdings herausfordernd, dass es im öffentlichen Dienst nach meiner Erfahrung schwierig ist beziehungsweise oft lange dauert, etwas zu verändern, manchmal würde ich mir mehr Innovationsmut wünschen.
Außerdem spricht aus meiner Sicht viel dafür, die positiven Erfahrungen aus der Pandemie zu nutzen und das Homeoffice auszuweiten, wo es möglich ist. So könnten sich mehrere Beschäftigte einen Büroarbeitsplatz teilen, die FHB müsste nicht so viele Büroräume anmieten und würde eine Menge Geld sparen.“

Vielen Dank, Stefan Last!